R-407C Kältemittel – Eigenschaften & R-22-Ersatz
R-407C ist ein zeotropes HFKW-Kältemittelgemisch (R-32 / R-125 / R-134a) mit deutlichem Temperaturgleit. Es wurde als Ersatz für R-22 in Klimaanlagen, Wärmepumpen und Mitteltemperatur-Kälte entwickelt und behält dessen Druckniveau bei. Genau dieser Temperaturgleit bestimmt Auslegung, Befüllung und Fehlersuche – darum geht es auf dieser Seite.
Kältemittel-Lexikon › R-407C
Inhalt
- Kurzüberblick
- Zeotrop und Temperaturgleit
- Physikalische Eigenschaften
- Druck-Temperatur-Tabelle
- Glide in der Praxis: richtig messen und füllen
- R-407C als R-22-Ersatz: Retrofit Schritt für Schritt
- Anwendungsbereiche
- R-407C oder R-410A?
- Die R-407-Familie (A / C / F / H)
- Geschichte und Entwicklung
- Handelsnamen
- Betrieb und Service
- Sicherheit und Erste Hilfe
- GWP und Umwelt
- Alternativen zu R-407C
- Häufige Fragen
- Glossar
Kurzüberblick
- Typ: HFKW-Gemisch, zeotrop (Temperaturgleit ca. 7 K)
- Zusammensetzung: R-32 / R-125 / R-134a (23 / 25 / 52)
- Sicherheitsklasse: A1 (nicht brennbar)
- GWP: 1774 · ODP: 0
- Einsatz: Klimaanlagen, Wärmepumpen, Mitteltemperatur-Kälte; Ersatz für R-22
- Gebinde: 10-kg-Mehrwegflasche
Zeotrop und Temperaturgleit
R-407C ist ein zeotropes Gemisch: Seine drei Komponenten verdampfen und verflüssigen bei unterschiedlichen Temperaturen. Dadurch entsteht ein Temperaturgleit von rund 7 K (anwendungsabhängig ca. 5–7 K) – die Temperatur ändert sich während Verdampfung und Verflüssigung bei gleichem Druck. Das ist der grundsätzliche Unterschied zu nahezu azeotropen (R-410A) und echten azeotropen Gemischen wie R-507. Für die Praxis bedeutet der Gleit:
- Entnahme und Befüllung stets in flüssiger Phase – bei Dampfentnahme verschiebt sich die Zusammensetzung (Fraktionierung).
- Nach einer Leckage nicht nachfüllen, sondern zurückgewinnen und nach Gewicht neu befüllen.
- Siede- und Taupunkt liegen auseinander – für Messungen ist die richtige Sättigungskurve entscheidend (siehe unten).
Physikalische Eigenschaften
- Siedepunkt (Siedelinie, 1 bar): ca. –43,8 °C
- Temperaturgleit: ca. 7 K
- Kritische Temperatur: ca. 86,7 °C
- Kritischer Druck: ca. 46,3 bar
- Molare Masse: ca. 86,2 g/mol
- Dichte (flüssig, 25 °C): ca. 1,14 g/cm³
- Komponenten: R-32, R-125 und R-134a, chlorfrei (ODP = 0)
Druck-Temperatur-Tabelle
Sättigungsdruck von R-407C (absolut, Richtwerte). Wegen des Temperaturgleits hat R-407C zwei Kurven: „Siede“ (Siedelinie/Flüssigkeit) und „Tau“ (Taulinie/Gas). Der Abstand zwischen beiden ist der Gleit.
| Temperatur (°C) | Siede / Flüssigkeit (bar) | Tau / Gas (bar) |
|---|---|---|
| –40 | 1,20 | 0,86 |
| –30 | 1,87 | 1,39 |
| –20 | 2,80 | 2,15 |
| –10 | 4,05 | 3,20 |
| 0 | 5,68 | 4,61 |
| 10 | 7,76 | 6,45 |
| 20 | 10,38 | 8,80 |
| 30 | 13,59 | 11,76 |
| 40 | 17,49 | 15,41 |
| 50 | 22,16 | 19,88 |
Quelle: Dampfdrucktabelle (REFPROP); Werte gerundet, absolut. Manometer zeigen üblicherweise Überdruck (ca. 1 bar weniger). Umrechnung: 1 bar = 100 kPa ≈ 14,5 psi. Vollständige Tabelle in 1-°C-Schritten auf Anfrage.
Glide in der Praxis: richtig messen und füllen
Der Temperaturgleit macht die Wahl der richtigen Sättigungskurve entscheidend:
- Überhitzung (Sauggas): über den Taupunkt (Tau/Dew) bestimmen.
- Unterkühlung (Flüssigkeit): über den Siedepunkt (Siede/Bubble) bestimmen.
Wird die falsche Kurve genutzt, entsteht ein Fehler in Höhe des Gleits (ca. 5–6 K) – das ist die häufigste Fehlerquelle bei R-407C und führt schnell zu einer falschen Diagnose. An Anlagen mit thermostatischem Expansionsventil (TXV) wird über die Unterkühlung gefüllt, nicht allein über die Überhitzung. Befüllung immer in flüssiger Phase; nach einer Leckage zurückgewinnen und nach Gewicht neu befüllen statt nachfüllen.
R-407C als R-22-Ersatz: Retrofit Schritt für Schritt
R-407C ist der gebräuchlichste R-22-Ersatz, wenn ein Ölwechsel möglich ist. Druckniveau und Kälteleistung liegen nahe bei R-22 (Abweichung meist unter 5 %). Typischer Ablauf:
- R-22 vollständig in eine eigene Sammelflasche zurückgewinnen.
- Mineralöl in 2–3 Ölwechselzyklen gegen Polyolester (POE) tauschen: Kurbelgehäuse leeren, POE einfüllen, Anlage kurz laufen lassen, erneut leeren.
- Filtertrockner gegen ein HFKW-/POE-geeignetes Modell tauschen.
- Anlage evakuieren (Vakuum ziehen), um Feuchtigkeit und nicht kondensierbare Gase zu entfernen.
- R-407C in flüssiger Phase nach Herstellergewicht befüllen; nicht mit R-22-Resten mischen.
- Dichtheitsprüfung sowie Überhitzung/Unterkühlung kontrollieren.
Anwendungsbereiche
R-407C wird überwiegend im Klima- und Mitteltemperaturbereich eingesetzt:
- Klimaanlagen (Split- und Multi-Split-Systeme)
- Wärmepumpen im gewerblichen und industriellen Bereich
- Kaltwassersätze (Chiller) und Prozesskühlung
- Lüftungs- und Klimazentralen mit Kühlfunktion
- Mitteltemperatur-Kälte im gewerblichen Bereich
- Retrofit und Service bestehender R-22-Anlagen
Weniger geeignet ist R-407C für Tiefkühlung (geringere Leistung bei tiefen Temperaturen) sowie für geflutete und Pumpensysteme, in denen der Temperaturgleit stört.
R-407C oder R-410A?
Beide sind Klimakältemittel auf R-32-Basis, unterscheiden sich aber grundlegend:
| Merkmal | R-407C | R-410A |
|---|---|---|
| Zusammensetzung | R-32 / R-125 / R-134a (23/25/52) | R-32 / R-125 (50/50) |
| Art | zeotrop | nahezu azeotrop |
| Temperaturgleit | ca. 7 K | ca. 0,1 K |
| Druckniveau | wie R-22 (niedriger) | deutlich höher |
| Kälteleistung | wie R-22 | höher |
| Kritische Temperatur | ca. 86,7 °C | ca. 71,4 °C |
| R-22-Retrofit | ja (nach Ölwechsel) | nein (neue Anlagen) |
| GWP | 1774 | 2088 |
| Schmieröl | POE | POE |
Kurz: R-407C dient dem R-22-Retrofit bei niedrigem Druckniveau, hat aber Temperaturgleit; R-410A arbeitet mit deutlich höherem Druck und höherer Leistung in speziell dafür ausgelegten Anlagen. Die höhere kritische Temperatur von R-407C kann bei hohen Verflüssigungstemperaturen von Vorteil sein.
→ Zur R-410A-Seite · R-410A im Shop
Die R-407-Familie (A / C / F / H)
Alle R-407-Kältemittel sind zeotrope Gemische aus R-32, R-125 und R-134a – unterschiedlich abgestimmt. Mehr R-32 und R-125 bedeuten mehr Leistung und höhere Druckgastemperatur:
| Kältemittel | R-32 / R-125 / R-134a | Einsatzschwerpunkt |
|---|---|---|
| R-407A | 20 / 40 / 40 | Mittel- und Tieftemperatur-Gewerbekälte |
| R-407C | 23 / 25 / 52 | Klima, Wärmepumpen, Mitteltemperatur |
| R-407F | 30 / 30 / 40 | Gewerbekälte (Ersatz für R-404A/R-22) |
| R-407H | – (GWP 1378) | Tieftemperatur, Drop-in für R-404A |
R-407C hat den höchsten R-134a-Anteil und ist damit auf das Druck- und Leistungsniveau von R-22 in Klimaanlagen abgestimmt.
Geschichte und Entwicklung
R-407C wurde in den 1990er-Jahren als chlorfreier HFKW-Ersatz für R-22 entwickelt, im Zuge des Ausstiegs aus ozonabbauenden HFCKW nach dem Montreal-Protokoll (Änderung von 1992). Die Zusammensetzung wurde so gewählt, dass Druckniveau und Kälteleistung nahe bei R-22 liegen und sich bestehende Anlagen mit überschaubarem Aufwand umrüsten lassen. In Europa wurde R-407C zu einem der verbreitetsten R-22-Nachfolger in der Klimatechnik.
Handelsnamen
R-407C wird unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben – es handelt sich jeweils um dasselbe Kältemittel:
- Genetron 407C (Honeywell)
- Freon 407C / Suva 407C (Chemours)
- Forane 407C (Arkema)
- Klea 407C (Mexichem/Koura)
- Solkane 407C (Solvay)
Betrieb und Service
- Schmierstoff: Polyolester-Öle (POE); Mineralöl ist nicht geeignet. POE ist hygroskopisch – Filtertrockner erneuern, Offenzeiten kurz halten.
- Verdichter: Hubkolben- und Scrollverdichter im Klima- und Wärmepumpenbereich.
- Vor dem Befüllen evakuieren; Befüllung in flüssiger Phase; Einstellung über Überhitzung (Taupunkt) und Unterkühlung (Siedepunkt).
- Lecksuche: elektronischer Lecksucher (HFKW-Sensor), Druckprüfung mit Formiergas, Schaumbildner, UV-Kontrastmittel.
- Rückgewinnung: bei Service und Demontage in Sammelflaschen zurückgewinnen, nicht in die Atmosphäre ablassen.
- Werkstoffe: verträglich mit Kupfer, Stahl und Messing; Elastomere und Dichtungen auf Eignung für HFKW/POE prüfen.
Sicherheit und Erste Hilfe
Sicherheitsklasse A1 – nicht brennbar, bei sachgemäßer Handhabung von geringer Toxizität. Lagerung in trockenen, belüfteten Räumen zwischen –30 °C und +50 °C; direkte Sonneneinstrahlung und Erwärmung vermeiden; auf dichte Verbindungen achten.
- Kontakt mit flüssigem Kältemittel: Gefahr von Erfrierungen (Kaltverbrennungen) – mit reichlich lauwarmem, nicht heißem Wasser mindestens 15 Minuten spülen, steril abdecken, Arzt hinzuziehen.
- Einatmen hoher Konzentrationen: Das Gas ist schwerer als Luft und kann in tief liegenden Bereichen Sauerstoff verdrängen (Erstickungsgefahr, oft unbemerkt) – an die frische Luft bringen, für ausreichende Belüftung sorgen.
GWP und Umwelt
R-407C hat ein GWP von 1774 (ODP = 0) und unterliegt der EU-F-Gas-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/573). Kältemittel mit niedrigerem GWP bei ähnlicher Anwendung sind unter anderem R-32, R-454B und R-452B (siehe Tabelle).
Alternativen zu R-407C
Kältemittel mit gleicher oder ähnlicher Anwendung im Vergleich (GWP-Werte):
| Kältemittel | Typ | GWP | Sicherheitsklasse | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| R-407C | HFKW-Gemisch (zeotrop) | 1774 | A1 | Referenz |
| R-410A | HFKW-Gemisch | 2088 | A1 | Klima, höheres Druckniveau |
| R-32 | HFKW (einkomponentig) | 675 | A2L | Klima, neue Anlagen |
| R-454B | HFKW/HFO-Gemisch | 466 | A2L | R-410A-Klasse, niedriges GWP |
| R-452B | HFKW/HFO-Gemisch | 676 | A2L | R-410A-Klasse |
| R-22 | HFCKW | 1810 | A1 | Vorgänger (ODP > 0) |
Häufige Fragen
Kann R-407C R-22 ersetzen?
Ja, als Ersatz in Klimaanlagen und Wärmepumpen. Erforderlich ist ein Ölwechsel von Mineralöl auf Polyolester (POE); Druckniveau und Leistung liegen nahe bei R-22.
Warum muss R-407C flüssig gefüllt werden?
Als zeotropes Gemisch würde bei Dampfentnahme die Zusammensetzung verschoben (Fraktionierung). Deshalb stets in flüssiger Phase entnehmen und befüllen.
Welchen Sättigungspunkt nehme ich für Überhitzung und Unterkühlung?
Überhitzung über den Taupunkt, Unterkühlung über den Siedepunkt. Die falsche Kurve führt zu einem Fehler in Höhe des Gleits.
Was ist der Unterschied zu R-410A?
R-407C hat Temperaturgleit und ein Druckniveau wie R-22 (R-22-Retrofit); R-410A arbeitet mit deutlich höherem Druck in speziell ausgelegten Anlagen.
Kann ich R-407C nach einer Leckage nachfüllen?
Nein. Empfohlen wird Rückgewinnung und Neubefüllung nach Gewicht, da sich die Zusammensetzung sonst verschieben kann.
Welches Öl wird benötigt?
Polyolester-Öl (POE); Mineralöl ist nicht geeignet.
Wie erfolgt die Lieferung?
Nach Auftragsbestätigung und Zahlungseingang; Versand in Deutschland und ausgewählte EU-Länder.
Glossar
- Zeotrop: Gemisch, dessen Komponenten bei unterschiedlichen Temperaturen sieden/kondensieren – mit Temperaturgleit.
- Temperaturgleit (Glide): Temperaturdifferenz zwischen Siede- und Taupunkt bei gleichem Druck; bei R-407C ca. 7 K.
- Siedepunkt (Bubble): Beginn der Verdampfung / Flüssigkeitsseite – für Unterkühlung.
- Taupunkt (Dew): Ende der Verdampfung / Gasseite – für Überhitzung.
- Fraktionierung: Verschiebung der Zusammensetzung bei Dampfentnahme oder Leckage.
- GWP / ODP: Treibhauspotenzial / Ozonabbaupotenzial.
- A1: Sicherheitsklasse – nicht brennbar, geringe Toxizität.
- Retrofit: Umrüstung einer bestehenden Anlage auf ein anderes Kältemittel.
Bestellung
R-407C in der 10-kg-Mehrwegflasche. Verkauf an gewerbliche Kunden (B2B). Rechnung mit ausgewiesener MwSt.
Verwandte Kältemittel
- R-410A – Klima, höheres Druckniveau
- R-32 – Komponente, Klima mit niedrigem GWP
- R-404A – Gewerbe-/Tiefkälte
- R-507 – Tiefkühlung, azeotrop
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Normen: ISO 817, EN 378.